0

„Braucht Ihr Outdoor-Duschen?“

Ich bin überwältig von der Vielzahl der Anrufe und der Vielfalt der angebotenen Hilfen bei der ehrenamtlichen Adenauer Hochwasserhotline. Es sind rund sechs Anrufe pro Minute, zählt die Hotline-Software. Viel mehr, als wir beantworten können.

Das kleine Team der Hochwasserhotline in Adenau wächst allmählich, aber wir sind nur um die 10 Personen und damit noch verschwindend wenige Leute für dieses enorme Anrufaufkommen, das bis zum späten Abend nicht abreißt. Viele erzählen mir, dass unsere Nummer die einzige ist, die man im ganzen Gebiet erreichen kann.  

Was uns alles angeboten wird, ist beeindruckend:

„Wir könnten eine mobile 1000-Liter-Diesel-Tankstelle bringen, braucht ihr die?“, fragt einer.

„Ihr könnt euch aus unserem Maschinenpark bedienen und ich schicke euch auch Mitarbeiter von uns“, sagt der Abteilungsleiter des Grünflächenamtes einer großen Kommune.

„Wir haben eine Suppenküche und könnten 250 Portionen pro Tag servieren, wo sollen wir hinfahren?“

„Wir haben einen Containerdienst und könnten den ganzen Tag Absetzcontainer hin und her fahren“, bietet jemand aus Koblenz an.

„Wir bringen Outdoor-Duschen vorbei, wo sollen wir die hinbringen?“

„Unsere Firma will eine große Anzahl tragbarer Toiletten spenden, die müssen doch jetzt überall gebraucht werden, aber man lehnt das überall ab. Ich bin ganz verzweifelt, dass das keiner annimmt. Was soll ich tun?“

„Braucht ihr Stromaggregate?“

„Wir möchten einen kostenlosen Reifennotdienst aufbauen und so bei den Aufräumarbeiten helfen.“

„Wir kommen mit Baggern, Treckern und LKW und könnten sofort anpacken. Wo sollen wir hin?“

„Wir könnten Equipment für Straßensperrungen anliefern.“

„Mit unserem Foodtruck können wir bis zu 10.000 Essen herausgeben. Wo kann der stehen?“

„Wir stellen Notstromaggregate her und würden Geräte spenden. Wohin damit?“

„Wir sitzen in Nickenich und haben Radlader und LKWs.“

„Gibt es Bedarf für eine Trinkwasseraufbereitungsanlage? Wir stellen eine zur Verfügung.“

„Wir bringen Trinkwasser und Essensspenden. Wo besteht Bedarf?“

 Und so weiter. Und so weiter…

Vor allem aber sind es unfassbar viele Menschen, die sofort im Gebiet anpacken und privat helfen wollen. Krankenschwestern, Ärzte, LKW-Fahrer, Soldaten, Statiker, Elektriker, Köchinnen… Manche reisen spontan (und manche auch reichlich kopflos) aus dem Erzgebirge oder Berlin an.

Wir notieren Namen, Qualifikationen und die Gerätschaften, die die Leute mitbringen wollen. Und wir bitten alle, nicht auf eigene Faust in das Katastrophengebiet zu fahren, sondern auf eine Nachricht von uns zu warten.

Es ist schnell klar, dass wir von den Außenrändern des Katastrophengebietes einen Shuttle-Service mit kleinen Bussen zu den Gemeinden organisieren müssen, weil sonst durch anreisende Helferinnen und Helfer ein totales Verkehrschaos im Ahrtal und massive Behinderung der nötigen Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät droht. Es gelingt, einen solchen Shuttle ab Aldi-Parkplatz in Adenau und dem Mitfahrerparkplatz an der Ausfahrt Wehr an der A61 einzurichten. Wir hören, dass sich auch auf der Grafschaft in Ringen ein solcher Shuttle-Service formiert, um Helferinnen und Helfer ins Tal zu bringen.

Adenau, Industriegebiet.

Carmen Molitor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.