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Ground Zero in Mayschoss

Je mehr man sich von Ahrweiler aus die Ahr hinaufbewegt, desto surrealer wird der Grad der Zerstörung der Orte. Nach Rech und Mayschoss geht es teilweise nur über staubige Buckelpisten, die beispielsweise über das ehemalige Gleisbett am Recher Bahnhof führen. Das Bild wird bestimmt von THW- und Bundeswehr-Einsatzfahrzeugen, von LKW, die die hohen Schuttberge abtransportieren, von Baggern, Wasserfahrzeugen und Polizeiwagen, die unablässig die Ahr auf- und abfahren.

Zerstörtes Haus an der Bundesstraße 267 in Mayschoss.

Um die Überfahrt der Behelfsbrücke in Rech zu sichern, hocken Bundeswehrsoldaten in einem provisorischen Posten am Ufer – was mich ein bisschen an meine Zeit in Israel und Palästina erinnert. Bis zur ersten Etage sind die Häuser aufgerissen, die Flut hat Bürgersteige absacken lassen, Laternenmaste verformt, Brücken abgeknickt, Gleise von den Trassen gerissen, stolze und liebevoll eingerichtete Gasthäuser und Weingüter demoliert.

Mitten in dieser Ground-Zero-Atmosphäre von verlassenen, ausgeräumten Häusern mit gähnend leeren Fenster-Augen herrscht aber auch hier eine gewisse Aufbruchstimmung: In Höfen und vor den Türen der Weingüter waschen Gruppen von Freiwilligen Unmengen verschlammter Ahrwein-Flaschen ab. Die dann gestapelten, frisch gespülten rot oder rosa leuchtenden Flaschen sind ein kleiner Lichtblick im Grau. (Unter www.flutwein.de kann man den „schlimmsten Jahrgang“ der Ahr übrigens kaufen oder für die Winzer spenden.)

Carmen Molitor

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