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Besiegte Bohrer

Wo der Adenauer Bach in Dümpelfeld in die Ahr mündet, sitzt ein Arbeiter in einem „Ditch Witch Jt 30 All Terrain“ (einer Horizontalbohranlage für „härteste Bedingungen“, wie der Hersteller schreibt). Er beobachtet leicht resigniert, wie eine Bohrstange in dickflüssiger, grauer Brühe versucht, Meter in einem unterirdischen Abflussrohr zu machen.

„Aber ist schwer, alles voll Steine“, sagt er mit einem polnischen Akzent. Ein dicker Bohrerkopf ist schon hinüber, er liegt schlammverschmiert und besiegt neben dem Fahrzeug.

Das Ahrufer ist hier breit, der verschlammte Boden schon zum großen Teil abgetragen. Die Szene wird bestimmt von der gerissenen Ahrbrücke, ein paar emsigen Baggern, großen LKW sowie einem lärmigen Räumpanzer und anderen Fahrzeugen der Bundeswehr.

Ein hoch aufragender Baum ist auf einer kleinen Insel in der Ahr stehen geblieben. Er ist grotesk mit Treibgut behangen, das sich an ihn schmiegt wie eine zweite Rinde.

Zehn Soldaten in Flecktarn kommen aus der Mittagspause zurück und gehen freundlich grüßend an mir vorbei durch den Matsch zu ihren Einsatzfahrzeugen. „Wollen Sie etwas Süßes?“ fragt einer und hält zwei Tüten mit schokoüberzogenen Marshmellows hoch. Ich lehne dankend ab. Soweit kommt‘s noch, dass ich der Truppe die Nervennahrung wegesse.

Carmen Molitor

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