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Lesung von Stephan Wahl in Adenau: Zwischen Ahrpsalm und Klagemauer

Ein Flutzeuge aus Ostjerusalem: Im vollbesetzten großen Saal der Komturei in Adenau las der Priester Stephan Wahl, der in Jerusalem lebt und arbeitet, Gedichte und „ungehobelte Gebete“ aus seinen Büchern. Höhepunkt des Programms war sein „Ahrpsalm“, der die Leiden von Flutbetroffenen an der Ahr nachvollziehbar macht. Der Spendenerlös der Veranstaltung ging zu 100% an Hilfsfonds in der Verbandsgemeinde.

Wie kann man an der Ahr helfen? Das fragen sich immer noch viele Menschen. Eine Antwort ist: mit der Organisation von kulturellen Events. Gemeinsam mit Caroline Rehmsmeier, Adenauer Buchhändlerin (Buchhandlung Rees) und gute Freundin, organisierte ich eine Benefiz-Lesung in Adenau mit Stephan Wahl. Stephan hatte die Idee zu einer Benefiz-Lesereise, weil er auch er im Tal helfen möchte. Er hat unter anderem den „Ahrpsalm“ gedichtet, der im Ahrtal inzwischen sehr bekannt ist. Hier mein Pressebericht zu der Veranstaltung:

„Für den Monsignore aus dem Bistum Trier bedeutete die Lesung in Adenau eine Reise in seine Vergangenheit: In den 1990er Jahren hatte Stephan Wahl seine Kaplanzeit in der Johanniterstadt erlebt und bis heute haben sich viele der damals geknüpften freundschaftlichen Kontakte in die Hocheifel erhalten. Und so konnte Wahl bei seiner Lesung unter der Überschrift „Zwischen Ahrpsalm und Klagemauer – ungehobelte Gedanken aus Jerusalem“ viele bekannte Gesichter im voll besetzten großen Saal der Komturei ausmachen. Wenn er hier sei, fühle er sich immer noch so ein bisschen wie der Kaplan von damals, verriet er zu Beginn augenzwinkernd.

Die Idee zu einer Lesereise unter anderem zu Gemeinden im Kreis Ahrweiler war entstanden, weil Wahl mit einem Text zur Flutkatastrophe besonders viele Menschen an der Ahr berührte: Sein in Jerusalem verfasster „Ahrpsalm“ beschreibt Leid, Zweifel, aber auch Hoffnung all jener, denen durch die Flut der Boden unter den Füßen weggezogen worden ist. Auch Wahl selbst, der aus Remagen-Kripp stammt, betrauert den Tod eines Verwandten, der in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Sinzig ertrank.

Improvisierte Gedenkstätte für die 12 verstorbenen Menschen mit Behinderung vor dem Lebenshilfehaus Sinzig.

Bundesweit bekannt wurde der Ahrpsalm, als er Ende August während des zentralen Gedenkgottesdienstes für die Flutopfer im Hohen Dom zu Aachen mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel auf beeindruckende Weise vorgetragen wurde. Mit einer Reihe von Benefiz-Lesungen in Deutschland wollte Wahl jetzt die Flutopfer konkret finanziell unterstützen.

In Adenau erlebten die gut 70 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Komturei einen ruhigen, besinnlichen Abend mit vorwiegend nachdenklich stimmenden Texten. Sie handelten von den einsamen, aber auch fruchtbaren Corona-Quarantänezeiten, die Wahl in Israel und Palästina erlebte. Von Gewalt, Unversöhnlichkeit und Diskriminierung – aber auch von ermutigenden Beobachtungen aus seinem Alltag in Jerusalem. Von Zerrissenheit und Zuversicht als glaubender Mensch, von tiefer seelischer Finsternis und den darauffolgenden strahlenden Sonnenaufgängen über dem Ölberg, die immer wieder zum Weitermachen anspornen.

Den Höhepunkt des Programms markierte Wahls Ahrpsalm, dessen Eindringlichkeit auch das kurzzeitige Klingeln des nicht ausgestellten Smartphones eines Besuchers wenig Abbruch tat. Barbara Feldmann an der Querflöte und Martin Korden am Keyboard umrahmten die eindrucksvollen Texte gekonnt mit ausgesuchten Musikstücken, wie dem getragenen „Only time“ von Enya.

Im Anschluss nutzen viele Gäste die Chance, sich von Stephan Wahl ein Buch signieren zu lassen und bei Brot und Ahrwein an Stehtischen miteinander ins Gespräch zu kommen. „Die Menschen waren von dem Abend sehr beeindruckt. Wir haben noch Tage später begeisterte Rückmeldungen bekommen“, zieht Veranstalterin Caroline Rehmsmeier von der Buchhandlung Rees in Adenau eine rundum positive Bilanz. Wie Stephan Wahl freut auch sie sich über die hohe Summe, die während der Benefiz-Lesung von den Teilnehmenden gespendet wurde: Über 1.000 Euro kamen zu gleichen Teilen der Fluthilfe Insul und der Hochwasserhilfe in Schuld zugute.“ 

(Danke an Caro, an Barbara und Martin für die Musik, an Petra und Gabi für gestrenge Coronakontrolle und Einlass, an Christian Frings für die Anlage und an die Stadt Adenau, die uns den Raum kostenlos zur Verfügung stellte.)                                     

Carmen Molitor

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